Das Dampflokomotiven Ausbesserungswerk (AW Bwg)

Als in Braunschweig die Dampflokomotiven Einzug hielten

Gehen wir in Gedanken in das Jahr 1838 zurück. Es war Spätherbst in Braunschweig und von Norden auf den alten Handelsruten kommend, rollten schwer mit Waren beladene Planwagen durch die Tore der Stadt. Die wenigen Reisenden waren mit Postkutschen oder zu Pferde unterwegs. Die Pferdefuhrwerke, Flöße und Flusskähne auf der Oker und den eigens angelegten Kanälen waren die einzigen damaligen Transportmöglichkeiten. An der heutigen Straße „Am alten Bahnhof“ im Süden des Braunschweiger Stadtkerns gelegen, entwickelte sich für damalige Verhältnisse allerdings eine recht fremdartige Tätigkeit. An einem umzäunten Platz, auf dem Bau- und Brennholzplatz, den man auch Holzhof nannte und auf dem das aus dem Harz geflößte Bauholz für die Fachwerkhäuser gelagert wurde, stiegen von Zeit zu Zeit mächtige Dampfwolken auf. Grelles bis dahin von der Braunschweiger Bevölkerung noch nie gehörtes Pfeifen, welches einem durch Mark und Bein fuhr, unterbrach die gewohnte Stille der Gegend. Verantwortlich für dieses Treiben war ein gewisser John Blenkinsop, Eisenbahnpionier und Ingenieur aus England. Zu der Zeit sollte die erste deutsche Staatsbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel eröffnet werden. Das neuartige Verkehrssystem brauchte neben vielerlei anderen Voraussetzungen auch eine Werkstatt für das Zusammensetzen, die Inbetriebnahme, Reparatur und Instandsetzung der damals noch aus England in Einzelteilen importierten Lokomotiven. Das war die Geburtsstunde des Dampflokausbesserungswerkes Braunschweig, das zur damaligen Zeit noch als „Bahnhofswerkstätte“ bezeichnet wurde.

Auf der Zeichnung rechts sind die unter Punkt 3 eingezeichneten Gebäude, und die besagten Werkstatteinrichtungen abgebildet. Sowohl die Straßenführung als auch der gesamte Flussverlauf der Oker hat sich in den letzten 170 Jahren stark verändert. Die Oker wurde in diesem Bereich in den Jahren 1864-1865 verlegt. Zur besseren Orientierunghabe habe ich den Standort der heutigen Volkswagenhalle in die historische Karte unter 4 eingezeichnet. Demnach befand sich die erste Werkstatt, bzw. das erste Dampflokomotivenausbesserungswerk auf der heutigen Theodor-Heuss- Straße, ungefähr zwischen Valentin-Klein-Hochhaus und dem V.I.P. Parkplatz der Volkswagenhalle. Hier wurde auch die erste aus England gelieferte Dampflok zusammengesetzt. Wie schon erwähnt, waren damals Kutschen, Kähne und Flöße die einzig verfügbaren Transportmittel für Güter aller Art. Deshalb wurden auch die englischen Lokomotiven mit Pferdefuhrwerken auf dem Landwege von Lüneburg nach Braunschweig transportiert. Bewiesen ist dies damit, dass in Lüneburg am Ilmenauhafen noch immer ein großer Holzkran mit Tretrad als Antrieb am Hafenbecken steht.

Das neue Reichsbahnausbesserungswerk Braunschweig (RAW) an der BorsigstraßeDas Ausbesserungswerk über das ich hier berichten möchte, ist Braunschweigs drittes Ausbesserungswerk. Dieses Werk betreute selbst die Dampflokomotiven der Bundesbahn nicht nur bis zum Schluss, es ist auch heute noch die letzte Eisenbahnindustriearchitektur in Niedersachsen, die als Einzige fast im Originalzustand erhalten geblieben ist. (Stand 2012) Am 10. Mai 1927 wurde das Reichsbahnausbes- serungswerk Braunschweig an der Borsigstrasse in Betrieb genommen. Grund des Neubaus war die totale Überalterung der am damaligen Hauptbahnhof gelegenen und aus der Kinderstube der Eisenbahn stammenden Staatsbahnwerkstatt. Weiterhin sollte es die ebenfalls betagten Werkstätten Magdeburg-Buckau und Halberstadt entlasten bzw. ersetzen. Schon 17 Tage nach Inbetriebnahme am 27. Mai 1927, verließ die erste ausgebesserte Lok das neue Werk.

Das neue Reichsbahnausbesserungswerk Braunschweig (RAW) an der Borsigstraße

Das Ausbesserungswerk über das ich hier berichten möchte, ist Braunschweigs drittes Ausbesserungswerk. Dieses Werk betreute selbst die Dampflokomotiven der Bundesbahn nicht nur bis zum Schluss, es ist auch heute noch die letzte Eisenbahnindustriearchitektur in Niedersachsen, die als Einzige fast im Originalzustand erhalten geblieben ist. (Stand 2012) Am 10. Mai 1927 wurde das Reichsbahnausbes- serungswerk Braunschweig an der Borsigstrasse in Betrieb genommen. Grund des Neubaus war die totale Überalterung der am damaligen Hauptbahnhof gelegenen und aus der Kinderstube der Eisenbahn stammenden Staatsbahnwerkstatt. Weiterhin sollte es die ebenfalls betagten Werkstätten Magdeburg-Buckau und Halberstadt entlasten bzw. ersetzen. Schon 17 Tage nach Inbetriebnahme am 27. Mai 1927, verließ die erste ausgebesserte Lok das neue Werk.

Anfang der 1930er Jahre entstand das erste Bild dieser Seite. Es zeigt, von innen gesehen, den Eingangsbereich des ehemaligen RAW Braunschweig. Auf dem freien Feld oben rechts im Bild befindet sich heute die ehemalige Einfahrgruppe und Richtungsgruppe des teilstillgelegten Rbf’s Braunschweig und ein Stück dahinter der in den 1950er Jahren gebaute neue Hauptbahnhof der Stadt. Links hinten im Bild befindet sich die Eisenbahnersiedlung “Lämmchenteich”. Sie wurde einst angelegt, um die aus Magdeburg und Halberstadt kommenden Facharbeiter und ihre Familien in Braunschweig unterzubringen. Die Lokomotive im Vordergrund ist die 03 139. Auf dem Originalfoto, befindet sich auf dem Windleitblech das damals übliche Deutsche Hoheitszeichen. Die Lok direkt dahinter ist die 17 252, rechts daneben steht die 17 285 und links oben im Bild ist die 03 141 zu erkennen. Bis zur Entstehung dieses Bildes, war es aber ein langer und steiniger Weg. Dazu aber später mehr.

Dieses Bild stammt aus einem Kalender, der vom Kulturamt der Stadt Braunschweig und vom Arbeitskreis Andere Geschichte e.V. herausgegeben wurde. Es zeigt den Blick vom Uhrenturm der Hans- Porner-Straße in den 1930er Jahren, der im oberen Bild iganz links am Horizont zu erkennen ist. Hinten rechts im Bild ist das neue RAW Braunschweig zu erkennen. Links auf dem freien Feld sind noch einige zum entstehenden Rangierbahnhof gehörende Gleise zu sehen. Die Siedlung Lämmchenteich rechts davor. Natürlich wurden die Straßenzüge zum großen Teil nach berühmten Pionieren der Eisenbahn wie, Henschel, Krupp, Schwartzkopff, Siemens und natürlich auch Amsberg benannt.Nun aber wieder zurück zum Ausbesserungswerk! Der ursprüngliche Plan sah ein gemischtes Werk für Lokomotiven, Personenwagen und Güterwagen vor. Aber wie so viele Industrieprojekte zu der damaligen Zeit stand auch die Planung zum RAW Braunschweig nicht selten kurz vor dem Scheitern und beinnahe hätte es nie ein Ausbesserungswerk wie hier beschrieben in Braunschweig gegeben.

In den ersten Jahren übernahm das neue Werk erst einmal die schon zur damaligen Zeit alten Güterzug- und Rangierlokomotiven der Baureihen 55 (Pr. G7), die Lokomotiven der T9 Klasse und die Baureihe 92 (Pr. T 13) vom nun nicht mehr benötigten Reichsbahn Ausbesserungswerk (RAW) Braunschweig am alten Bahnhof bzw. am Werkstättenweg. Der 1. Januar 1928 war wiederum ein wichtiges Datum im Lebenslauf des Werkes. An diesem Tag wurden dem RAW die Güterzugloks der Baureihe 52 (G8) und 57 (G10) vom Werk Magdeburg-Bukau zugeteilt. Weiterhin wurde nun auch die Wartung der recht anspruchsvollen mehrzylindrigen Schnellzugloks der Gattung S 10 in Braunschweig durchgeführt. Jetzt dauerte es auch nicht mehr lange, bis die ersten Einheitslokomotiven der Baureihe 01 und 02 die Hallen “betraten”. Zeitgleich wurde die Ausstattung mit moderneren Maschinen weiter vorangetrieben. Ab 1931 sind auch die Baureihen 03 und 62 in Braunschweig anzutreffen. Die Eisenbahnverbindung zwischen Braunschweig und Magdeburg wurde zur Teststrecke für das Ausbesserungswerk Braunschweig. Unbestätigten Angaben zufolge wurden auf dieser Verbindung alle Abnahmefahrten der fabrikneuen 01er und 03er Maschinen durchgeführt. Die abzunehmenden Lokomotiven fuhren dann als Vorspann regulärer D-Züge von Braunschweig aus. 1. Tag (10 Uhr): Eingang der ausbesserungsbedürftigen Lokomotive (meist mit eigener Kraft). Die Geräte werden der Geräteaufbewahrungsstelle übergeben. – Während des Erkaltens der Lokomotive Untersuchung auf Schäden und Aufstellung des Ausbesserungsrichtbl 2. Tag (6.30 bis 9 Uhr): Reinigung der Lokomotive (Abspritzen mit heißem Wasser). – Reinigung der Feuerbüchse und der Rauchkammer. – Ablassen des Kesselwassers. – (10 Uhr): Die Lokomotive wird in die Werkstatt gebracht. 3. Tag (7 Uhr): Abbau I. Die Lokomotive wird von den Achsen gehoben und auf Rollgestelle (siehe folgende Bilder) gesetzt. Armaturen und Teile werden abgebaut und mit Elektrokarren der Abkocherei und den Sonderwerkstätten zugeführt. – Zum Transport kleiner 3. Tag (14 Uhr): Abbau II. Der Kessel wird vom Rahmen gehoben und in die Kesselschmiede gebracht. – Der Rahmen kommt auf den Rahmenmeßstand. Bearbeitung des Kessels in der Kesselschmiede (Bohrstand). Auswechselung undichter Stehbolzen und Nieten. Auswechslung der Heiz- und Rauchrohre. Nach jeder äußeren und inneren Untersuchung, sowie auch nach jeder umfangreichen Ausbesserung wird eine Wasserdurckprobe (mit kaltem Wasser) vorgenommen, bei der der Kessel bei erhöhtem Kesseldruck auf Undichtigkeiten und eventuelle Formänderungen geprüft 4. und 5. Tag: Zusammenbau I. Vermessung und Bearbeitung des Rahmens (rechts am Zylinder hängt das Rahmenmeßblatt) bis 10. Tag (16.30 Uhr): Die Dampfkolben mit Schiebern und Kreuzköpfen werden eingepaßt, Treib- und Kuppelstangen eingehängt, Außensteuerung und Windleitbleche angebaut. Anstrich. Die Lokomotive wird zum Anheizschuppen gebracht und mit dem gleichfalls aus 6. Tag (12 Uhr): Beginn Zusammenbau II 8. Tag (11 Uhr): Beginn Zusammenbau III. Die Lokomotive wird auf die Achsen gesetzt. 01 013 Anfang der 1930er jahre im AW BraunschweigKurz nach der Fertigstellung, Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, war das Dampflokomotivenausbesserungswerk Braunschweig eines der modernsten Werke Deutschlands. Dieses moderne Werk wurde deshalb auch zu Werbewecken genutzt. So kam es, dass die Berliner (Ahb) Dampflok 01 013 mit der Kamera begleitet wurde, als sie zur HU im RAW Braunschweig weilte. Diese im Folgenden gezeigten Bilder wurden erstmalig in dem Buch “Peter Kühne (Hrsg.). Erhaltungswirtschaft bei der Deutschen Reichsbahn. Verkehrswissenschaftliche Lehrmittelanstalt m.b.H. bei der Deutschen Reichsbahn, Berlin 1933” veröffentlicht.