1977 Die letzte Dampflok, im Braunschweiger- Ausbesserungswerk

Auf den obigen Bildern sehen Sie, wie die 01 1063 als letzte Dampflok im AW Braunschweig instandgesetzt wurde, oder vielmehr für das Denkmal vorbereitet wurde. Die Hallen sind schon weitestgehend leer. Im Vordergrund die Feuerkiste einer auf dem Nebengleis zerschnittenen Lok. Alles in allem eine sehr traurige Szenerie. Dennoch haben sich die Braunschweiger mit dieser ihrer letzten Maschine, die zu ihrem Denkmal werden sollte, besondere Mühe gegeben. Durch einen besonders dauerhaften Lack erhielt sie nicht nur ihren alten Glanz zurück, nachts leuchteten auch ihre Stirnlampen und sogar die Triebwerksbeleuchtung. Damals galt die 01 1063 als eines der schönsten Dampflokdenkmäler unseres Landes. Leider ist die Lokomotive heute in einem sehr schlechten Zustand (Stand Sommer 2012). Der vor einigen Jahren neu aufgebrachte Lack hält den Rostfraß nicht zurück und auch die schöne Beleuchtung ist schon lange nicht mehr in Betrieb, weil in den Führerstand eingebrochen und der Belauchtungstrafo gestohlen wurde. Aber gehen wir erst einmal in die Zeit zurück, in der sie zum schönsten Dampflokdenkmal Deutschlands wurde….. 28. April 1977, die Lok 01 1063 wird auf das Gleisvorfeld des Ausbesserungswerkes Braunschweig an der Borsigstraße gezogen. Begleitet von zahlreichen Schaulustigen und Fotofreunden bietet diese Maschine, trotz des fehlenden Dampfes, im frischen Farbkleid ein ganz besonderes Motiv. Es sollte das letzte Mal sein, dass solch eine Dampflok in restauriertem Zustand die ehrwürdigen Hallen des Braunschweiger Ausbesserungswerkes verließ. Die letzte Fahrt der 01 1063 auf Braunschweiger Gleisen. Die Frühlingssonne lässt an diesem Aprilvormittag den frischen Lack der Lok leuchten und schafft es, wenigstens den Kessel der Maschine von außen ein wenig zu erwärmen. Erwärmen können sich trotz des schönen Motives nur wenige Dampflokfreunde. Es ist nur zwei Jahre her, da sind die Lokomotiven in solch ansprechendem optischen Zustand noch mit eigener Kraft aus dem AW in den Betriebsdienst gefahren. Bei vielen kommt Wehmut auf, hätte man die Maschine nicht doch betriebsfähig herrichten können? Aber die Gelder, die hätten aufgebracht werden müssen, wären wohl zu umfangreich gewesen. Es ist sowieso sehr viel guter Wille und private Initiative von den damals Verantwortlichen von Nöten gewesen, um die Maschine in diesen Zustand zu versetzen und als Dampflokdenkmal für Braunschweig zu erhalten und herzurichten..Nun macht sie sich auf den Weg. Ihr letzter Weg auf dem regulären Schienennetz, gezogen von der nachfolgenden Lokomotivgeneration. Die 140 km/h die sie einst aus eigener Kraft erreichte, liegen lange in der Vergangenheit. Jetzt geht es langsam auf die letzte Fahrt. Fast zeitgleich mit der Überführungsfahrt vom AW beginnen am Nordbahnhof die Vorbereitungen für die Verladung der Lok auf den Straßenroller. Es ist einiges an schwerem Gerät nötig gewesen, um diesen Brocken von immerhin noch über 100 t auf der Straße zu bewegen. Ein Schwertransport, den die DB AG in dieser Form nicht mehr durchführen kann, da sie sämtliche Straßenroller und die dazugehörenden Kaelble Zugmaschinen inzwischen stillgelegt und verkauft hat. Der Straßenroller, die Zugmaschine, der Kran und die Auffahrrampe für den Straßenroller wurden auf Flachwagen verlastet, bereits am frühen Morgen im Nordbahnhof bereitgestellt. Dieser kleine Kran dient der Aufstellung der Auffahrrampen auf den Straßenroller. Auf diesem Bild ist die Technik und die 48 Räder des Transportgerätes gut zu erkennen, bald wird es die Last der ca. 100 Tonnen schweren Lokomotive aufnehmen und über Braunschweigs Straßen transportieren. Im Hintergrund der damalige Neubau der Braunschweiger Stadtwerke. Laderampe und Straßenroller sind fest verbunden. Als Gegengewicht und Bremse dient die Kealble Zugmaschine. Auch hier noch einmal die Güterrampen des ehemaligen Braunschweiger Nordbahnhofes im Bild. Absetzen auf dem Verladegleis, jetzt fehlt nur noch die Verbindung zwischen Auffahrrampe und Straßenroller. Auch bei dieser Aktion konnte man damals noch hautnah dabei sein, was wohl bei ähnlichen Verladungen heute aus Sicherheitsgründen verboten wäre. In der Nacht vom 28. auf den 29.04.1977 trat die 01 1063 ihre vorerst letzte Reise an. Auf dem ersten Bild sehen Sie die seltene Fracht auf dem Altewiekring kurz hinter der Kreuzung Helmstedter Straße. Das zweite Bild entstand an der Kreuzung Leonhardstraße. Hier wurde die Fahrspur gewechselt und der Schwerlasttransport konnte unter der angehobenen Oberleitung der Straßenbahn hindurchfahren. Berliner Platz, dass Ziel ist fast erreicht. Auf dem ersten Bild ist hinten rechts die beleuchtete Uhr des Braunschweiger Hauptbahnhofes zu erkennen. Leider ist auch auf dem original Foto die Zeit schlecht auszumachen. Es könnte so gegen 21 Uhr gewesen sein, als die Lok dort eintraf. Auf dem rechten Bild wird die Lok in die Abladeposition vor den Denkmalsockel manövriert. 01 1063 betritt den Podest, sie rollt jetzt noch einmal einige Meter auf eigenen Rädern. Aufgestellt wurde sie bereits am Donnerstag Abend, gegen 22:00 Uhr. Der offizielle Termin ist allerdings erst am darauffolgenden Freitag den 29.04.1977. Wie sie den Bildern entnehmen können, war bereits an diesem Abend die halbe Stadt und mindestens die gesamte Eisenbahnszene Braunschweigs mit dabei. Alle Arbeiter und Organisatoren kamen und brachten Ihre Familien mit. Hatte doch die Stadt bis dahin soetwas noch nicht erlebt. Selbst ich bin dabeigewesen, der kleine Junge mit der Pudelmütze auf den Schultern in der Bildmitte, dass war ich. Das ich da mit fotografiert wurde, ist allerdings reiner Zufall. Herrn Bode, dem wir die Zurverfügungstellung der Aufnahmen verdanken, habe ich erst 28 Jahre nach dieser Aufnahme kennengelernt. Herzlichen Dank für die Bilder an dieser Stelle. Am frühen Morgen des 29.04.1977, es war der Freitag der offiziellen Denkmalenthüllung, war von dem Spektakel der Nacht nichts mehr zu sehen. Der Tender der noch spät in der Nacht vom Nordbahnhof geholt wurde, war nun auch an seiner Position. Nur der Schornstein war noch nicht an seinem Platz. Der 29. April 1977.Der Tag der Denkmalenthüllung. Ich bin 5 Jahre alt und ganz stolz darauf, dass das große Bild, welches mein Vater wochenlang gemalt hat nun in der Zeitung zu sehen ist. Die Zusammenhänge habe ich damals natürlich nicht verstanden. Aber ich weiß noch ganz genau, wie ich auf gar keinen Fall gegen den Zeichentisch stoßen durfte, wenn mein Vater daran gearbeitet hat. Das Original ist im übrigen mit Tusche auf Pergament entstanden. Als Vorlage diente ein Foto, das im BW Rheine entstanden ist. Als Druck auf A4 oder A3 konnte man diese Zeichnung damals für 2 oder 5 Deutsche Mark kaufen, der Erlös ist den Braunschweiger Verkehrsfreunden VBV e.V. zugeflossen. Ursprünglich war angedacht, dass der Verein eine Patenschaft für diese Lokomotive übernimmt. Interessant ist noch zu wissen, das ursprünglich eine 94er oder 50er für den Denkmalsockel vor dem Hbf vorgesehen war. Da diese Maschinen im Braunschweiger BW stationiert waren und somit angeblich besser zur Stadt passen würden. Quelle: Zeitungsartikel BZ 29.04.1977 29. April 1977, 16:00 Uhr. Das Dampflokdenkmal wird offiziell enthüllt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf den unteren Bildern sehen Sie einige Eindrücke dieses Tages. Darunter habe ich den Zeitungsartikel, der über dieses Ereignis berichtete und am darauffolgenden Samstag in der Braunschweiger Zeitung erschienen ist, eingestellt. Als ich die April Zeitungen des Jahres 1977 für die Recherche zu dieser Publikation durchblätterte, hatte ich gehofft, dass sich etwas auf den Titelseiten finden lassen würde und wesentlich ausführlicher über dieses Ereignis berichtet wird. Aber weit gefehlt, nur zwei mal war die Aufstellung in der Presse. Möge sich jeder seinen eigenen Reim darauf bilden. Herzlichen Dank an Herrn Günter Bode und Herrn Herrn Werner Reupke für die freundliche Zurverfügungstellung ihrer Aufnahmen. Herr Reupke betreibt im übrigen eine eigene, sehr sehenswerte Internetseite, die sich fotografie beschäfftigt. www.pic-tec.de